Neujahrsempfang der CSU Neuried mit Bayernkurier-Chefredakteur Peter Hausmann
„Wir sind offensichtlich auf dem Weg zu einer Mediokratie und die Politik muss intensiv darüber nachdenken, welche Medien und Medienmacht wir brauchen.“ Das war der Schlussgedanke der Festrede von Peter Hausmann, Chefredakteur des Bayernkurier, anlässlich des Neujahrsempfangs der Neurieder CSU. Kritisch und mit viel Hintergrundwissen setzte sich der Redner bei der traditionellen CSU-Veranstaltung zum Jahresauftakt mit der Entwicklung der Medienlandschaft auseinander. In ihrer Vorstellung des Gasts hatte die CSU Ortsvorsitzende Marianne Hellhuber schon betont: „Wir erleben gerade, wie die Vorverurteilung über Schlagzeilen die seriöse Berichterstattung ersetzt.“
Traditionell eröffnet die CSU in Neuried das politische Jahr mit dem Neujahrsempfang, zu dem ein prominenter Festredner eingeladen wird. In diesem Jahr begrüßte die Vorsitzende der CSU Neuried, Marianne Hellhuber, den Chefredakteur des Bayernkurier, mit der Bemerkung: „Ich kann mir kaum einen besseren Referenten vorstellen, wenn es um die aktuelle und um die grundsätzliche Betrachtung der Medien und ihrer Arbeit geht, als Peter Hausmann.“
Gut gefüllt war die Aula der Grundschule mit den Gästen der CSU Veranstaltung. Neben der Bürgermeisterin Ilse Weiß begrüßte Marianne Hellhuber die Landtagsabgeordnete Kerstin Schreyer-Stäblein und als Vertreter der Kreistagsfraktion den Gräfelfinger Bürgermeister und stellvertretenden Landrat Christoph Göbel. Dazu wurden die Mitglieder des Neurieder Gemeinderats, die Vertreter der örtlichen Vereine und viele Besucher aus den Nachbargemeinden willkommen geheißen.
„Neuried hat sich mit rasanter Geschwindigkeit in den letzten zehn Jahren entwickelt und wir haben mit Millionen-Investitionen in die Infrastruktur unsere Gemeinde zu einem liebenswerten und modernen Ort entwickelt. Das bestätigt der starke Zuzug an neuen Einwohnern, vor allem an jungen Familien,“ beschrieb die Bürgermeisterin von Neuried, Ilse Weiß, in ihrem Grußwort zum Empfang die Situation der Gemeinde. „Jetzt müssen wir aber den Fuß vom Gaspedal nehmen und uns auf die weiteren Ausbaumaßnahmen konzentrieren, die besonders hohe Priorität haben.“ Die Stimmkreisabgeordnete im Landtag, Kerstin Schreyer-Stäblein, ergriff kurz das Wort und betonte, dass sie sich besonders freue, dass in Bayern trotz der Priorität einer soliden Haushaltspolitik viel für Bildung und Familie getan werden könne. Nach der Vorstellung durch die CSU Ortsvorsitzende als Journalist, der in den Medien, in der Politik und in der Wirtschaft gearbeitet habe, ergriff Peter Hausmann das Wort.
„Das Bobbycar der Kinder des Bundespräsidenten scheint in den aktuellen Nachrichten wichtiger zu sein als viele politischen Themen. Deshalb freut es mich, dass mich die Neurieder CSU eingeladen hat zur Frage zu sprechen: Wie funktionieren die Medien?“ Der Chefredakteur des Bayernkurier stellte nach dieser Eröffnung in seiner Rede die Entwicklung der Medienlandschaft und ihres Verhältnisses zur Politik fachkundig und mit vielen Beispielen aus seinem persönlichen Erleben, beispielsweise mit dem ehemaligen Bundeskanzler Helmut Kohl, vor.
Mit dem letzten Jahrzehnt sei in der Politik die Fähigkeit immer wichtiger geworden, sich selbst zu inszenieren, und mit der Übermittlung der Nachrichten durch die neuen Medien hätte die hohe Verfügbarkeit und schnelle Übermittlung von Neuigkeiten Vorrang bekommen vor fundierter Berichterstattung, fasste Peter Hausmann seine Beobachtungen zusammen. Die Verfügbarkeit von Nachrichten überall und rund um die Uhr sei einerseits der Ausdruck einer freien Gesellschaft, und andererseits müsse man sich die Frage stellen, was es bedeute, wenn Unternehmen mit Internetplattformen, wie Google, einen höheren Börsenwert darstellten als produzierende Unternehmen, beispielsweise wie Siemens.
In der zusammenfassenden Bewertung sah Hausmann in mehreren Themen eine Entwicklung, über die die Politik intensiv nachdenken müsse. Dazu nannte er dabei den eindeutigen Vorrang einer schnellen Nachrichtenübermittlung vor einer gründlichen Ermittlung der Tatsachen, was dazu führte, dass kleinste Neuigkeiten erst einmal von den Medien übertragen würden und damit die wirkliche Bedeutung von Ereignissen immer schwerer zu beurteilen sei. „Die Presse sieht sich immer mehr als vierte Staatsmacht, der aber eine demokratische Legitimierung fehlt. Heute hat man das Gefühl, die Medien sehen sich schon als Übermacht und wir sind auf dem Weg von der Demokratie zur Mediokratie. Die Politik muss über diese Entwicklung nachdenken und sich die Frage stellen: was brauchen wir an Medien?“, war das Fazit Peter Hausmanns in seiner Neurieder Rede.
Gemeinsam sangen die Teilnehmer am Neujahrsempfang der CSU Neuried noch die Bayernhymne, womit der offizielle Teil der Veranstaltung zu Ende ging. Die Gäste stärkten sich noch an einem kalten Büffet, bevor bei Bier und Rotwein noch intensive Gespräche an den kleinen Tischen den Abend ausklingen ließen.